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Grundsätzlich sollten Banken Partner für EPUs und alle anderen Unternehmen sein. Betrachten wir die negativen Schlagzeilen der letzten drei Jahre, in denen Banken nicht gerade als bestes Beispiel für korrekten Umgang mit Kunden, geschweige denn als Partner, dargestellt wurden, so ist es eigentlich höchst an der Zeit, dass sich dieses Bild wieder wandelt.
Gerade im österreichischen Raum hat sich keine äquivalente Finanzierungsstruktur im unternehmerischen Sektor, neben den Banken, herausgebildet. Nach wie vor ist der erste Ansprechpartner bei kommerziellem Finanzierungsbedarf die Bank. Dies bringt nicht nur eine Einengung des Marktes, mangels Alternative, sondern auch eine mehr als starke Position der Bank, nahe am Monopol in der Frage der Finanzierungen, mit sich.
Dies kann man nun kritisch oder unkritisch betrachten und Argumente für ein pro und contra finden und formulieren, an der Situation ändert sich deswegen nichts – wer als EPU und Kleinunternehmer nicht mit seiner Hausbank kooperiert, um einen Partner für starke als auch schwache Zeiten zu haben, bringt sich selbst in eine absolut schwache Position. Denn ohne professionelle Unterstützung die Bank zu wechseln und somit auch einen Neustart im Kennenlernen zu wagen, stärkt die eigene Position meist nicht, sondern verursacht im wahrsten Sinn des Wortes nur finanzielle Bauchschmerzen.

Tipp: Sprechen Sie daher unbedingt bereits vor der Gründung Ihres Ein-Personen-Unternehmens mit Ihrem Bankberater über Ihre Gründungsidee und binden Sie ihn in Ihre Pläne mit ein – gerade wenn eine Finanzierung (Kredit, Leasing,…) benötigt wird. Dadurch wird eine grundsätzliche vertrauliche Basis Ihrem Anliegen gegenüber geschaffen und selbst bei einer Ablehnung bleibt Ihnen noch genügend Zeit sich banktechnisch neu zu orientieren.

Natürlich ist nichts leichter als einen so wichtigen Unternehmenspartner von außen darzustellen. Um hier eine möglichst breite Sicht der Dinge zu Wort kommen zu lassen, ist dieser Teil des Kapitels für einen ganz speziellen Gast reserviert worden: eine Bank.
Die Allgemeine Sparkasse Oberösterreich hat sich bereit erklärt einen Teil dieses Kapitels zu übernehmen. Herr Mag. Robert J. Schernhuber, Prokurist der ASP OÖ, war so freundlich den Text zu gestalten. Ohne weitere Vorreden zum ganz speziellen Teil dieses Buches. Eines sei noch angeführt: Es wurden auch andere Banken eingeladen ihre Sicht der Dinge darzulegen und ohne redaktionelle Eingriffe auf den Punkt bringen zu dürfen. Nur die Allgemeine Sparkasse Oberösterreich ist dieser Einladung gefolgt.

Die Finanzierung von EPUs

Der durchschnittliche Finanzierungsbedarf eines EPUs hängt stark von der Branche und den Abnehmer – private Abnehmer zahlen in der Regel prompt, Unternehmen verlangen Zahlungsziele von oft drei oder mehr Monaten – des Unternehmens ab.
Während Dienstleistungsunternehmen einen eher geringen Investitionsbedarf – im Schnitt unserer Aufzeichnungen rund € 20.000,-- – haben, benötigen Unternehmen, die im Handwerk und Gewerbe tätig sind, an die € 70.000,--.
Der Vorfinanzierungsbedarf für Betriebsmittel – beispielsweise Miete, Energiekosten, Kfz-Kosten und vor allem Wareneinkauf und Kundenforderungen – richtet sich stark nach der Branche und kann durchaus bis zu € 50.000,-- reichen, wenn vorwiegend in Projekten, die erst bezahlt werden, wenn sie zur Gänze abgeschlossen sind, gearbeitet wird.
Finanzieren heißt immer Risiko auf sich nehmen, daher ist der Verminderung und der gerechten Aufteilung von Finanzierungsrisiken besonderes Augenmerk zu schenken.
Unternehmen und Bank sitzen im gleichen Boot und verfolgen die gleichen Ziele: Die Liquidität des Unternehmens sicher zu stellen und die Risikotragfähigkeit des Unternehmens durch das Stärken des Eigenkapitals zu verbessern.
Wir Banken sind bereit, Risiko zu übernehmen, aber die Finanzierungsrisiken – Banken arbeiten ja nicht mit eigenem, sondern mit anvertrautem Geld – müssen auch vom Unternehmer mitgetragen werden.
Eigenkapital des Unternehmers gehört daher ebenso zum praktikablen Finanzierungsplan, wie Eigentumsvorbehalte als Sicherstellung von Investitionskrediten, Forderungszessionen und Forderungsversicherungen als Sicherstellung für Betriebsmittelkredite oder Förderungen der öffentlichen Hand.

 

Förderungen der öffentlichen Hand für EPUs

Das Austria Wirtschaftsservice – aws – und das Land Oberösterreich – Wirtschaftsressort des Landes, UBG und KGG – stellen sowohl Beteiligungsmittel, als auch Ausfallsbürgschaften für Kredite und vor allem Barzuschüsse für Investitionen und zinsbegünstigte Kredite zur Verfügung.
Banken kümmern sich darum, dass diese reiche Palette an Unterstützungen auch beantragt und in Anspruch genommen wird.
Als Beispiele seinen hier nur das Gründungspaket des aws – Barzuschuss von 14% der Investitionskosten von Bund und Land OÖ, 80%-ige Ausfallsbürgschaft des Bundes, Kreditzinssatz, der rund 20% unter dem Marktzinssatz liegt – sowie der OÖ Gründerfonds – beinahe kostenloses Eigenkapital von bis zu € 50.000,-- des Landes OÖ und 80%-ige Ausfallsbürgschaft der KGG für einen Kredit in der gleichen Höhe – erwähnt.

Eigenkapital und Eigenkapitalquote sind für Banken und angelagerte Institute nicht erst seit BASEL II magische Begriffe.
Die Eigenkapitalquote errechnet sich wie folgt:

Eigenkapitalquote = [Eigenkapital/Gesamtkapital] x 100

Die Quote sollte, nach Möglichkeit und Maßgabe, an die 20% oder höher sein. Denn dies würde eine relativ große Unabhängigkeit gegenüber einer externen Finanzierung bedeuten.
Eigentlich sollte Sie, als EPU Betrieb, und somit Kleinunternehmer nach BASEL II Definition – mit einer Kreditgesamtsumme kleiner als 1 Million Euro – diese Eigenkapitalanforderung gar nicht interessieren. Die Realität entspricht hier jedoch nicht ganz den Vorgaben. Jeder Unternehmer, egal welcher Größe er nach BASEL II zugeordnet wird, durchläuft das interne Rating, welches dann über Kreditwürdigkeit, langfristige Rückzahlungsfähigkeit und Kreditkonditionen als Entscheidungsframework eingesetzt wird.
Nehmen wir einmal einen klassischen EPU-Betrieb als Beispiel her.
Stundensatz für eigene Leistungen von € 27,--. Verkaufbare Stunden pro Jahr rund 900. Nach Ermittlung aller Abzüge und Steuern bleibt ein Restbetrag im Jahr, welcher im Betrieb stehen bleiben würde, von rund € 1.800,-- Eigenkapital. Dem stehen fremdfinanzierte Gelder (Kredite, Leasing etc) von rund € 25.000,-- gegenüber, welche vielleicht von einer Büroausstattung und einem KFZ herrühren. Die sich daraus ergebende Eigenkapitalquote ist aus Sicht einer Bank nicht berauschend und auf jeden Fall unter 10%.
Lassen Sie dies gegenüber Ihrer Bank niemals als alleiniges Merkmal stehen. Versuchen Sie die nachstehenden Punkte fest in Ihren Betrieb zu integrieren:

  • einen Businessplan
  • laufende Prüfung ihrer Zahlen
  • übersichtlich strukturierte Buchhaltung
  • Mahnungen vermeiden
  • keine Überfälligkeit von Abgabenverbindlichkeiten (Umsatzsteuer, Einkommensteuer) und Sozialversicherungsbeiträgen
  • Strategie bei Betriebsausfall/Betriebsunterbrechnung (Versicherung)

Letztendlich ist eine positive Eigenkapitalquote für EPUs zwar ein erstrebenswertes Ziel, nur nicht unbedingt die wichtigste und aussagekräftigste Größe für eine Finanzierungsbewertung.

Tipp: Prüfen Sie vor der Gründung Ihre Beziehung zu Ihrer Hausbank auf Herz und Nieren. Spielen Sie die möglichen Finanzierungsszenarien durch – vom reinen Haben-Konto bis zu Kreditsummen im Umfang eines errechneten Jahresumsatzes und checken Sie das jeweilige Verhalten ihrer Bank. Eine hilfreiche Recherchequelle ist dazu sicherlich das Internet. Erst wenn Sie einen passenden Partner gefunden haben, gehen Sie mit ihm die ersten Schritte der Gründung gemeinsam. In vielen Fällen wird dies die Hausbank sein, da diese meist eine gewachsene Beziehung über Jahre als positive Bindung hinterlegt hat. In vielen Fällen ist aber das genaue Gegenteil der Fall und die Hausbank stellt sich als völlig ungeeigneter Unternehmenspartner dar.

Prüfen Sie:

  • Kommerzkundenkonditionen/Kontokonditionen
  • Überziehungszinsen
  • Kreditkosten und Kreditkonditionen
  • Wer ist Ihr Ansprechpartner – gibt es eine persönliche Beziehungsebene?
  • Bewirbt die Bank Ihr Kommerzkundensegment?
  • Gibt es aus Ihrem persönlichen Umfeld bereits Erfahrungen mit dieser Bank (Geschäftskundenbereich)?
  • Brauchen Sie einen Finanzierungspartner, oder einfach nur ein Geschäfts¬konto?